Gegenwart: Treffen 02.09.2011

Bei diesem Drama in mehreren Sätzen muss ich etwas weiter ausholen, da es eine Vorgeschichte gibt:

Am 05.09. wird Loud für drei Wochen verreisen. Für ihn eine große Sache, er freut sich unglaublich darauf. Mir ist es egal, ist ja nicht meine Reise. Trotz allem juckte es mir in den Fingern, ich wollte ihm gern etwas schenken, da ich nun einmal Freunden gern etwas schenke. Durch Zufall ergab es sich, dass ich ein kleines Flächen Duschgel mit dem Namen „Happy Hippie“ erwarb, eine Reisegröße. In mir wuchs die Idee, ihm eine kleine Waschtasche zu basteln. Diese ist praktisch und mit dem Duschgel einfach perfekt! So erwarb ich noch Zahnbürste, Deo und anderen Kleinkram und nähte einen kleinen Kulturbeutel. Am Ende wurde dieser wieder größer als geplant, aber so passte alles schön hinein. Als Stoff wählte ich dunkelgrün-dunkelblau-alt-Herren-Regenschirm-Karo, da dies gut passte und verzierte es noch mit einem Emblem. Nach mehreren Stunden Näharbeit war dies das Ergebnis:WaschtascheStolz bin ich doch etwas, muss ich sagen.

Gern hätte ich ihm die Tasche persönlich übergeben, hatte aber keine Zeit mit ihm einen Treffpunkt oder ähnliches auszumachen. So fuhr ich, als ich wieder einmal eine Reise antrat, bei ihm vorbei und klingelte auf gut Glück. Es war keiner da, so hing ich den gefüllten Beutel einfach an die Tür. Er erhielt ihn auch, denn wenige Stunden später schrieb er mir eine SMS: „Hey. Vielen Dank für das supercoole Geschenk. :)“ . Ich freute mich, dass es ihm gefiel und hakte die Sache ab. Er hat seine Reise, ich meine.
In der darauffolgenden Nacht, zu der Unzeit 00:18Uhr trudelte bei mir erneut eine SMS ein: „Bist du die woche zu hause?“. Meine Antwort folgte und erklärte ihm, dass ich erst ab Freitag Nachmittag wieder in der Heimat residieren werde. Doch was dann kam, überraschte mich: „Magst du mich sehen?“. Ich las die Nachricht und fragte mich, was er nun denn schon wieder will. Wieso sollte ich?! Ich schrieb nicht zurück, denn der Akku meines Handys neigte sich sehr dem Ende entgegen und eine passende Antwort fiel mir nicht ein.
Bevor ich zurückschreiben konnte, meldete er sich erneut zu Wort: Am darauf folgenden Tag rief er mich an, 09:30 Uhr. Er war müde und brachte keinen vollständigen Satz zu Stande. Im Gespräch ergaben sich ewige Pausen und ich sagte kaum mehr als „Mh“ und „Okay“. Am Ende des Gespräches war nichts geklärt und ich blieb mit einem Fragezeichen im Kopf zurück.
Als ich wenige Stunden später an meinem Rechner saß, schrieb er mich an: „Hey. Sorry dass ich so verpeilt war heute früh. Ich hatte das Bedürfnis dich anzurufen.“. Irgendwie wurden mir die Geständnisse immer unheimlicher und ich schrieb nur: „…Okay“. Was sollte ich sonst darauf sagen?! Wenige Minuten darauf schickte er mir eine Frage, die mich ein wenig aus der Bahn warf: „Vermisst du mich?“. Ich saß vor meinem Laptop und starrte die Frage an, in der Hoffnung sie würde verschwinden oder sich von allein beantworten. Keine der beiden erhofften Dinge passierte und so schrieb ich das, was mir mein Herz sagte: Das ich die Seite an ihm vermisse, mit der ich gute Erinnerungen verbinde. Die schönen Sachen. Aber ich wunderbar lebe ohne das ständig jemand Recht haben will. Ich weiß nicht, ob ihn diese Antwort zufrieden stellte oder nicht, denn die Fragerei ging weiter: „Geht es dir besser ohne mich?“. Langsam fühlte ich mich ausgefragt und auch ziemlich veralbert. Ich schrieb, dass ich so etwas nicht online klären will, es nervt. Darauf verabredeten wir uns für heute, er wollte mich ja sowieso sehen.
Schnell wurde heute am Mittag ein Treffpunkt ausgemacht und schon kurz darauf trafen wir uns inmitten der Stadt. Wir spazierten ein wenig, plauderten über Allgemeines und aus dem nichts sagte er: „Jetzt beantworte mir doch mal die Frage!“. Ich erläuterte ihm, dass ich die Frage gern noch einmal aus seinem Mund hören wollte, da ich durch die Stunden schon ein wenig vergessen hatte über was wir eigentlich geredet hatten. Loud meinte, ich solle ihm jetzt sagen, ob es mir nun besser gehen würde. Darauf hatte ich aber keine eindeutige Antwort. Klar, manches vermisse ich, insgesamt ist es aber alles unglaublich ruhig und aktuell könnte es kaum schöner sein. Ich schilderte ihm, dass ich die Sache weder mit ja noch mit nein beantworten konnte. Er meckerte, gab sich aber nach einigem hin und her doch zufrieden. Da wir im Gespräch schon bei den spitzen Thema angekommen waren, fragte ich gleich einmal nach, wieso er überhaupt fragt, ob ich ihn vermissen würde. Er druckste herum und sagte immer nur: „Man kann ja mal nachfragen!“ oder ähnliches. Eine absolut ehrliche Antwort habe ich nicht erhalten.
Manchmal traten beim Spazieren Gesprächspausen auf, die ich nicht zu füllen wusste. In diesen Momenten sagte er: „Du wolltest dich doch mit mir treffen!“, ich konterte nur: „Ja, wegen der einen Frage, aber DU hast gesagt, dass du mich sehen magst!“. Auf diese Anspielung auf die SMS hatte er ebenfalls keine Erklärung. Er sagte mehrfach, wir hätten uns nur wegen mir getroffen und als ich ihn immerzu auf die SMS verwies, sagte er nur: „Nee, ich hab keine SMS geschrieben!“ oder etwas ähnliches. Wieso er sich mit mir treffen wollte, habe ich ebenfalls heute nicht erfahren.
Ein schöner Moment beim Plaudern war auch, als er sich erkundigte, ob ich schon einen neuen Freund habe. Als ich dies verneinte, ging die Fragerei weiter, ob ich denn einen in Aussicht hätte. Dies konnte ich auch nicht positiv beantworten und merkte gleich an, dass ich zur Zeit auch an keinem Mann interessiert bin. Loud nahm das hin und machte sich dann über mich lustig, dass ich als alte Jungfer sterben werde. Haha!
Nachdem wir schon zwei Stunden miteinander verbracht hatten, gingen wir langsam zu meinem Auto und er redete immer weiter. Wie gut es ihm gefiele, dass wir einfach so miteinander reden konnten. Ich fand das sehr amüsant, denn ich wüsste nicht, wieso wir nicht normal miteinander reden könnten. Aber gut. Loud wiederholte, wie wichtig ihm die Freundschaft sei und wie wichtig ich ihm bin. Er sagte, er brauche eben ein wenig „Neon-Zeit“ im Leben und zum x-ten male am heutigen Nachmittag runzelte ich die Stirn.

Am Auto angekommen drückten wir uns kurz und verabschiedeten uns. Mit jedem Schritt, den ich alleine tat, wurde ich wütender und fassungloser.

Was sollte das denn jetzt?! Er fragt mich immerzu aus! Ob ich ihn vermisse! Ob es mir gut geht ohne ihn! Ruft mich an, weil er etwas klären will und klärt nichts! Streitet ab, dass er es war, der mich sehen wollte! Fragt mich nach anderen Männern aus! … Und sagt die ganze ganze ganze Zeit, dass er nur eine Freundschaft will? Will er mich auf den Arm nehmen?!
Ich habe noch keinen meiner Ex-Freunde, mit denen ich Schluss gemacht habe, gefragt, ob sie mich vermissen! Noch keinen! Und das hat auch seine Gründe!
In mir breitet sich immer mehr das Gefühl aus, dass er selbst nicht weiß was er will und sich selber belügt. Ich weiß auch, dass da irgendwas ist, aber ich kann es weder fassen noch benennen. Es ist dieses Gefühl von „da kommt noch was“, aber was da kommt, ist unbekannt.
Das Gute ist, am Montag ist er weg. Für drei Wochen. Und wenn er wieder in der Heimat ist, bin ich weg. Auch wenn nur für zwei Wochen. Anders gesagt: Ich werde ihn fünf Wochen nicht sehen. Und hoffentlich auch fünf Wochen nicht hören, lesen oder ähnliches. Denn: Ich habe keine Lust mehr auf ihn. Es nervt mich. Mit jedem Satz den er spricht wird es schlimmer.
Vielleicht reichen die Wochen, damit er endlich mal weiß was er will. Ich hoffe es sehr, denn wenn Anfang Oktobernoch nichts geklärt ist, breche ich den Kontakt zu ihm ab. Es reicht einfach.

Mein Herz ist lädiert genug.

Schönen Wochenende
Neon

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Gegenwart: Anruf 19.08.2011

Gerade bin ich so von Wut erfüllt wie in letzter Zeit selten. Denn: Es lebt sich schön ohne Loud. So ruhig, nur mit mir. Vor wenigen Minuten preschte er aber wieder in mein Leben und meinen Puls in die Höhe.

Er rief an. Ich erwartete keinen Anruf von ihm und freue mich auch nicht darüber. Sein Anrufbild erschien auf dem Display, und ich überlegte, ob ich rangehen sollte. Tat ich nach kurzem überlegen doch.

„Ja?“
„Hey. Mir ist aufgefallen, dass von Dir ja noch ein ganzer Berg Sachen bei mir liegt und ich wollt fragen, ob Du davon irgendwas brauchst?“
„Äh, nein? Ich weiß nicht wohin damit?“

BOAH! Wie kann man denn so nervig sein?! Zumal wir jetzt seit über einem Monat mehr oder weniger offiziell getrennt sind. Hätte ich von den Sachen dringend etwas gebraucht, hätte ich mich schon gemeldet! In der Regel brauche ich niemanden, der mich darauf hinweist, dass noch Sachen von mir an Stellen liegen, die ich seit längerem nicht mehr besucht habe!

„Du hast ja auch noch Pflanzen bei mir …“
„Ja, ich weiß hier nicht wohin damit, die müssen nach E.! Es wäre schön, wenn Du die erstmal am Leben erhalten könntest, bis ich sie abhole und dorthin schaffe.“

Einatmen, Ausatmen. Ich muss mich zwingen, in solchen Situationen ruhig zu bleiben und nicht in den Hörer zu schreien, dass er ein dämlicher Idiot ist, der sich bitte nie wieder bei mir melden soll.

Er quasselte auch immer weiter, über meine Pflanzen, die er ein wenig vergessen hat zu gießen. Bei einem der Gewächse hängen die Blätter, bei dem anderen sind sie Bordaux-Rot gefährt. Auweia. Ich flaxte nur: „Na wenn die Blätter nur braun sind und nicht abfallen, dann gehts noch!“. Er erwiederte: „Na ja, also ich hab bisschen gezupft und da sind dann welche abgefallen …“. Nach diesem Satz musste ich so laut lachen. Es ging nicht anders: Ich stellte mir Loud in seiner trolligen und unbedarften Art vor, wie er an der Pflanze zupfte und wie diese nach und nach alle Blätter verlor. Mit meinem Lachen steckte ich auch ihn an und so lachten wir beide das kümmerliche Leben meiner Pflanzen aus. Wenig später sagte er nur: „Okay, mehr wollte ich gar nicht!“, ich sagte „Bis bald!“ und legte auf.

Grr, nach solchen Gesprächen werde ich immer wutig. Wieso musste er mir wieder 2:33min ein absolut unnötiges Gespräch aufdrängen? Dieses Gequatsche war mehr als sinnlos, ich bin genauso schlau wie vorher, nur mache ich mir jetzt mehr sorgen um das wohlergehen meines Grünzeugs.

Und worüber ich mir mehr Gedanken mache: Was geht in ihm vor, wenn er mich einfach mal so anruft? Denkt er sich „Och, Freitag, 18:45 Uhr, die Neon hab ich aber auch lange nicht gesprochen, ich ruf mal an!“? Wie kommt er dazu? Auch die Erwartungen würden mich interessieren: Denkt er, ich melde mich und freue mich, dass er sich endlich meldet wegen den Unmengen an wichtigen Dingen die bei ihm lagern? Erwartet er Wut, das ich ihn vermisse, Freude, dass er sich meldet? Aber ich glaube, er denkt sich einfach gar nix. Einfach überhaupt gar nix!

Ich rege mich nicht auf. Ich schreibe alles nieder und dann ist gut. Gedanken mache ich mir keine. Es ist ein sinnloses Unterfangen.

Feiert schön ins Wochenende hinein. Oder hängt herum. Oder macht was ihr wollt.

Neon

Gegenwart: Besuch 09.08.2011

Heute war ich wieder einmal zum Kaffee bei Louds Oma. Wir verstehen uns absolut super, deshalb fahre ich sie einmal die Woche besuchen. Jedesmal wenn ich komme, freut sie sich sehr und nennt mich auch immer noch ihr „Häsl“ was ich unglaublich niedlich finde.

Nachdem wir ein halbes Stündchen geplaudert hatten, gab es Kaffee und auch Loud kam angeschlichen. Wir sagten uns normal Hallo, ohne besondere Freude oder ähnliches zu zeigen. Was sollten wir uns denn auch zu sagen haben? Sein Vater, der auch mit am Tisch saß, erzählte viel und so schweigten Loud und ich. Irgendwann glitt das Thema ab und die Situation eskalierte ein wenig. Ich kenne das von meinen früheren Besuchen, irgendwann wird es immer laut, es wird gebrüllt, sich Sachen an den Kopf geworfen und ich sitze stumm da und denke nur: „Zum Glück kann ich gehen und muss nicht hier wohnen!“. Allein dieser Gedanke ist eigentlich mies, aber nun ja, es ist die Wahrheit.
Leidtragende der ganzen Geschichte ist immer Louds Oma. Sie soll zum Arzt und zu Behandlungen, sträubt sich aber ein wenig. Nur, es wird auch stets nur im absolut lauten Tonfall auf sie eingeredet, nie mir ihr im freundlichen Ton gesprochen. Am meisten meckert Loud immer. Sitzt da und meckert in einem fort. Steht auf, verlässt den Raum vor Wut. Kommt wieder. Flucht. Sagt, „wenn das hier so weitergeht, bekomm ich einen Gehirnschlag!“, und ich denke mir: „Junge, was hast DU denn hier eigentlich auszustehen?!“. Er hat es geschafft 1,5 Stunden am Kaffeetisch zu sitzen, verbissen zu schauen und ab und zu schimpfen. Als er endlich ging, war ich froh.
Wenn ich ihn so sehe, denke ich: Wer ist diese Person? Ich kenne sie nicht. Überhaupt nicht! Wir haben so lang verbracht, so viel gelacht, alles war locker, entspannt. Und jetzt sitzt er nur da, zieht einen Flunsch und schimpft über alles. Wie kann man denn nur so schlecht gelaunt sein? Und das immer!
Verständnis für ihn habe ich nicht bedingt. Ich verstehe, dass es mit seiner Großmutter schwierig ist. Nur die sonstigen Belastungen, die er aushalten muss, sind eher sehr gering. Wenn ich ihn so sehe, wie er über das bisschen Stress speckert, dann frage ich mich, wie er in meinem Leben zurechtkommen würde.
Das Gute ist, das gehen fällt leicht. Ich sehe ihn, und weiß nicht, wer er ist. Er ist nicht mein Ex. Er ist auch nicht die Person, mit der mich eine Freundschaft verbindet. Mit ihm verbindet mich nichts mehr außer die 2 Stunden am Kaffeetisch jede Woche. Den alten Loud, den vermisse ich manchmal. Wie wir rumgesponnen haben, Mist gemacht, so furchtbar oft das selbe gesagt, was uns manchmal schon fremdlich vorkam. Diese Person vermisse ich, mit dieser Person teile ich Erinnerungen.
Seine Großmutter sagte später zu mir, er lege sich eine immer härtere Schale zu. Aber wozu? Um sich mehr und mehr in der einen Welt zu verpuppen und vollkommen weltfremd zu werden? Ich weiß nicht wie es in ihm aussieht und zeitnah werde ich auch keine Antwort darauf bekommen. Manchmal glaube ich, er ist einfach unglaublich unzufrieden mit sich selbst und weiß nicht, wie er mit sich umgehen soll.

Es ist traurig, aber ich bin froh, mich alleine ins Bett legen zu können. Kein Stinkstiefel, keine schlechte Laune. Nur die Musik in meinem Kopf und ein Lächeln auf den Lippen.

Eine Gute Nacht wünscht
Neon

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