Gegenwart: Anruf 04.09.2011

Irgendwie war mir in meinem tiefen Inneren klar, dass er nicht einfach so wegfahren kann, so ganz ohne sich nochmal zu melden. Und leider trügte mein Gefühl nicht, denn ich sah einen verpassten Anruf am Sonntag Abend auf meinem Handy. Alleine bei dem Anblick seufzte ich, aber wie es die Höflichkeit will, rief ich zurück. Ging natürlich keiner heran, welch Wunder. Wenige Minuten später klingelte mein Telefon wieder und ich konnte endlich endlich diesen großartigen Anruf entgegen nehmen.

„Ja?!“
„Hey. Ich hab gerade nochmal in die Waschtasche geschaut. Da ist ja alles drin! Die Zahnbürste, die ich immer nutz! Und das Deo! Voll cool! Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, weil ich nix davon besorgt hatte und es ja morgen los gehen soll, aber jetzt hab ich ja schon alles! Und die Tasche ist auch groß genug, dass da noch mein Rasierer und das After Shave reinpasst! Dankeschön!“
„Na, ich kenn Dich ja nun doch ein Weilchen und da weiß ich ja, was Du nimmst und ich weiß ja auch, was Du brauchst.“

Loud konnte es absolut nicht fassen, dass ich so mitdenke und eben an alles das gedacht habe, was er wieder einmal vergessen hat. Meine Worte wiederholten sich in einem Fort: Ich kenne Dich und ich weiß was Du brauchst. Er kaute mir noch fünf Minuten ein Ohr ab, wie super das alles ist, bevor er zum leidigen Thema, seine Band, überging. Beim Treffen am Freitag bot er mir an, mir eine Karte zukommen zu lassen. Nun wiederholte er sich und erwähnte dabei, dass ich ihm meine Adresse noch sagen muss. Beiläufig erwähnte er, dass er 35 Leuten versprochen hat, eine Karte zu schicken. Dieses Gespräch wurde mir langsam wieder zu bunt und ich maulte nur, dass ich nicht unbedingt eine Karte bräuchte. Meine Worte verhallten, stattdessen sponn er immer weiter: Die Band könnte ja auf der Facebook-Seite einen Aufruf machen, und jeder, der will, bekommt eine Karte geschickt, mit allen Autogrammen. Loud erzählte mir voller Stolz diese Idee und ich schluckte mehrfach stark, damit ich nicht wieder böse Worte verliere.
Diese Band tritt seinem einem Jahr auf der Stelle. Kommt nicht voran, nicht einen Schritt. Aber mit jedem einzelnen Tag wird Loud arroganter und schnöseliger, was die Band betrifft. Diese Idee! Als wären sie so wichtig wie die Beatles, Jimi Hendrix und Neil Young zusammen! Um meinen Groll zu versteckten, würgte ich langsam das Telefonat ab.
Loud meinte noch: „Ich melde mich dann in drei Wochen, wenn ich wieder da bin.“. Wieder klang dieser süffisante Ton mit und meine kalte Antwort ließ nicht auf sich warten: „Wenn Du wieder kommst, bin ich ja erstmal weg. Da brauchst Dich nicht unbedingt melden, keinen Stress.“

Jetzt ist Ruhe, einfach Ruhe. Keine „Magst Du mich sehen?“-SMS, keine „Mir ist so langweilig“-Anrufe, einfach Ruhe. So unglaublich entspannend.

Diese sieben Minuten Gespräch haben mir wieder einmal eines deutlich gezeigt: An sich ein netter Typ, aber durch die Band unausstehlich. Absolut ätzend.

Einen schönen Abend
Neon

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Gegenwart: Nachgelaufen 23.08.2011

Am 23.08. besuchte ich wieder einmal Louds Oma. Ich zeigte ihr Bilder von meinen letzten Kurztrips, aß Kuchen und plauderte mir ihr Ewigkeiten. Alles war friedlich und ruhig. Ich hätte noch Stunden dort verbringen können. Doch Loud kam plötzlich herein und damit war die Stille zerstört. Erst grüßte er nur und verschwand wieder, dann kreuzte er wieder auf und erkundigte sich nach dem Besuch seiner Großmutter bei der Gymnastik. Als diese Antwort nicht zu seiner Zufriedenheit ausfiel, sagte er nur zu der alten Dame: „Ach hör doch auf!“, ging entnervt aus der Wohnung und krachte die Tür hinter sich zu.

Spitzenauftritt. Seine Großmutter und ich waren uns einig: Wie kann man nur so Rechthaberisch sein und niemals zuhören? Er hatte sie kaum einen Satz reden lassen, schon flippte er aus, vollkommen grundlos. Das Gute war, dass er verschwand, diesmal länger als fünf Minuten. Erst als ich mich verabschiedete und aus der Tür trat, begegnete ich ihm, da er gerade herein wollte. Ich griff nach meinen Sandalen und zog sie an. Louds Oma fragte noch, was ich denn am Wochenende vor hätte. So erzählte ich ihr, dass ich nach Berlin fahre, mit einem guten alten Freund. Auf den Flohmarkt wollte ich. Loud hörte zu und meine Worte missvielen ihm deutlich, wie ich sah. Denn: Ende März war ich mit ihm in Berlin, er wollte auf einen Flohmarkt, hatte aber kein Geld. So wurde das Projekt Flohmarktbesuch still zu Grabe getragen und nicht wieder erwähnt. Und jetzt ging ich doch auf den Flohmarkt. Ohne ihn! Womöglich mit einem anderen Herren! Seine Enttäuschung konnte er kaum verbergen, auch wenn er nichts sagte.
Nach diesen Worten verabschiedete ich mich und stieg auf leisen Sohlen die Treppen hinab.

Kaum das ich 20m vom Haus entfernt war, hörte ich, wie jemand meinen Namen rief. Ich glaubte, ich hätte etwas vergessen, schaute zum Fenster, doch dort stand niemand. Das Rufen ebbte nicht ab und so drehte ich mich um und sah, wie Loud mir nachlief. Ich blieb stehen und drehte mich um. Barfuß kam er auf mich zugelaufen und fragte aus heiterem Himmel: „Was wird denn jetzt aus deinen ganzen Sachen?“. Meine Antwort war die Gleiche, die ich ihm schon vor ein paar Tagen gab: „Stell sie in den Keller, ich hols bei Gelegenheit.“. Mit meinen Erläuterungen gab er sich zufrieden, fragte aber noch nach, was ich so treibe. Ein wenig genervt erzählte ich es ihm und fühlte mich gezwungen, ihn jetzt auch zu fragen. Seine Antwort war ebenso salopp wie meine und so verabschiedeten wir uns entgültig, was mir ganz recht war.

Nach dieser Aktion tobte wieder einmal nur eine Frage durch den Kopf: „Was sollte das jetzt?“. Erst fünf Tage zu vor hatten wir gesprochen und zu diesem Zeitpunkt wollte er noch nicht, dass unbedingt und ganz dringend meine Sachen aus seinem Leben verschwinden.

Ich werde ihn nie verstehen, nie!

Bis zum nächsten Eintrag
Neon

Gegenwart: SMS & Anruf 02.09.2011

Am gestrigen Abend war ich recht selig, dass Loud erst einmal aus meinem Leben verschwindet und vielleicht in dieser Abwesenheit herausfindet, was er denn nun will. Nun ja, wieder einmal habe ich mich ein wenig zu früh gefreut.

Am späteren Abend, es war nach elf, kuschelte ich mich in meine vielen Decken und Kissen, schnappte mir ein gutes Buch und vertiefte mich darin. Obwohl ich unglaublich müde war, las ich noch ein Weilchen. Es dauerte nicht lang, und es trudelte SMS herein. Loud. Der fehlte mir auch noch: „Hey. Was machst du heute noch?“. Äh? Es war fast Mitternacht, ich kaputt und froh einfach im Bett zu liegen. Meine Antwort folgte: „Hey. Das, was ich die letzten 20min schon tue: Lesen und eingekuschelt im Bett liegen. Okay, in der nächsten Stunde kommt noch schlafen dazu.“. Da Loud immer das letzte Wort haben muss, klingelte bald wieder das Handy: „Ok. Dann gute nacht.“.
Wunderbar, dass ich nun schon mitten in der Nacht zugetextet werde. Nach diesem Dialog legte ich mein Handy weg und versank in meine Kissenburg. Ich war gerade weggedöst, da sah ich mein Handydisplay leuchten. Ein Anruf. Wer konnte das nur sein? Verschlafen ging ich heran: „Ja?“
„Hey. Hab ich dich geweckt?“
„Mh, war grad weggepennt.“
„Oh. Mh. Mir ist so total langweilig.“
„Mh.“
„Weiß gar nicht was ich machen soll.“
Ab diesem Zeitpunkt war ich genervt und meine gesamte Wut entlud sich recht prompt, in dem ich ihn unvermittelt anpflaumte: „Ich bin doch nicht Dein Pausenclown! Meld Dich in ’ner Community an oder mach irgendwas!“ Dieser Satz schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Etwas gekränkt murmelte Loud noch irgendwas, dann wurde das Gespräch nach knappen zwei Minuten beendet und ich konnte endlich weiter dösen.

Unglaublicher Weise habe ich heute noch nichts von ihm gehört. Irre! Aber ich habe so ein Gefühl im Bauch, dass er mir noch schreibt oder anruft oder irgendwas in die Richtung. Ich bezweifle stark, dass er einfach so, ohne weitere Worte, seine Reise antreten kann.
Oh man. Gestern hatten wir uns 2,5 Stunden gesehen. So lang haben wir uns seit fünf Wochen nicht gesehen. Und kaum sind wir sechs Stunden getrennt, schreibt er mir wieder SMS und selbst mit der Antwort, dass ich einfach im Bett liege, ist er nicht zufrieden. Was will er denn hören?! „Hey, ich zieh grad um die Häuser und reiß mir einen Typen auf!“ oder „Hey, ich lieg gerade alleine im Bett, weine ein wenig weil ich Dich so sehr vermisse, bitte komm doch her!“. GRR! Oftmals denke ich, dass er die zweitere Variante wirklich hören will. Oder eher: Er gern zu mir möchte, aber über seinen Stolz nicht hinweg kommt. Das würde ja bedeuten, er hat einen Fehler gemacht, den er jetzt einsehen muss. Oh noes! Lieber gibt er mir zu verstehen, dass ich bitte endlich sagen soll, er soll herkommen.

Mach ich aber nicht.

Zumal: Er schwafelt ja Tag ein Tag aus etwas von Freundschaft. Er freut sich darüber, dass wir so gut miteinander reden können – als Freunde.
Und gute Freunde wird man ja auch mal Mitternacht anrufen können, weil einem sooooo langweilig ist, oder?

Mhpf! Wie kann man nur so aufdringlich sein und das noch nicht einmal merken?!

Schöne Nacht, liebe Welt
Neon

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