Gegenwart: Besuch 09.08.2011

Heute war ich wieder einmal zum Kaffee bei Louds Oma. Wir verstehen uns absolut super, deshalb fahre ich sie einmal die Woche besuchen. Jedesmal wenn ich komme, freut sie sich sehr und nennt mich auch immer noch ihr „Häsl“ was ich unglaublich niedlich finde.

Nachdem wir ein halbes Stündchen geplaudert hatten, gab es Kaffee und auch Loud kam angeschlichen. Wir sagten uns normal Hallo, ohne besondere Freude oder ähnliches zu zeigen. Was sollten wir uns denn auch zu sagen haben? Sein Vater, der auch mit am Tisch saß, erzählte viel und so schweigten Loud und ich. Irgendwann glitt das Thema ab und die Situation eskalierte ein wenig. Ich kenne das von meinen früheren Besuchen, irgendwann wird es immer laut, es wird gebrüllt, sich Sachen an den Kopf geworfen und ich sitze stumm da und denke nur: „Zum Glück kann ich gehen und muss nicht hier wohnen!“. Allein dieser Gedanke ist eigentlich mies, aber nun ja, es ist die Wahrheit.
Leidtragende der ganzen Geschichte ist immer Louds Oma. Sie soll zum Arzt und zu Behandlungen, sträubt sich aber ein wenig. Nur, es wird auch stets nur im absolut lauten Tonfall auf sie eingeredet, nie mir ihr im freundlichen Ton gesprochen. Am meisten meckert Loud immer. Sitzt da und meckert in einem fort. Steht auf, verlässt den Raum vor Wut. Kommt wieder. Flucht. Sagt, „wenn das hier so weitergeht, bekomm ich einen Gehirnschlag!“, und ich denke mir: „Junge, was hast DU denn hier eigentlich auszustehen?!“. Er hat es geschafft 1,5 Stunden am Kaffeetisch zu sitzen, verbissen zu schauen und ab und zu schimpfen. Als er endlich ging, war ich froh.
Wenn ich ihn so sehe, denke ich: Wer ist diese Person? Ich kenne sie nicht. Überhaupt nicht! Wir haben so lang verbracht, so viel gelacht, alles war locker, entspannt. Und jetzt sitzt er nur da, zieht einen Flunsch und schimpft über alles. Wie kann man denn nur so schlecht gelaunt sein? Und das immer!
Verständnis für ihn habe ich nicht bedingt. Ich verstehe, dass es mit seiner Großmutter schwierig ist. Nur die sonstigen Belastungen, die er aushalten muss, sind eher sehr gering. Wenn ich ihn so sehe, wie er über das bisschen Stress speckert, dann frage ich mich, wie er in meinem Leben zurechtkommen würde.
Das Gute ist, das gehen fällt leicht. Ich sehe ihn, und weiß nicht, wer er ist. Er ist nicht mein Ex. Er ist auch nicht die Person, mit der mich eine Freundschaft verbindet. Mit ihm verbindet mich nichts mehr außer die 2 Stunden am Kaffeetisch jede Woche. Den alten Loud, den vermisse ich manchmal. Wie wir rumgesponnen haben, Mist gemacht, so furchtbar oft das selbe gesagt, was uns manchmal schon fremdlich vorkam. Diese Person vermisse ich, mit dieser Person teile ich Erinnerungen.
Seine Großmutter sagte später zu mir, er lege sich eine immer härtere Schale zu. Aber wozu? Um sich mehr und mehr in der einen Welt zu verpuppen und vollkommen weltfremd zu werden? Ich weiß nicht wie es in ihm aussieht und zeitnah werde ich auch keine Antwort darauf bekommen. Manchmal glaube ich, er ist einfach unglaublich unzufrieden mit sich selbst und weiß nicht, wie er mit sich umgehen soll.

Es ist traurig, aber ich bin froh, mich alleine ins Bett legen zu können. Kein Stinkstiefel, keine schlechte Laune. Nur die Musik in meinem Kopf und ein Lächeln auf den Lippen.

Eine Gute Nacht wünscht
Neon

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