Vergangenheit: Mai 2010 – 08.06.2011

Im Mai 2010 wurde ich in das höchste studentische Gremium unserer Hochschule gewählt. Ich wollte aus verschiedenen Gründen dahin, BAföG-Verlängerung und mich doch einmal engagieren. Nachdem die konstituierende Sitzung war, stand fest, dass ich dem Referat Kultur zugeordnet war und mich plötzlich auch noch als Referatsleiterin bezeichnen durfte. Vorteile brachte mir das keine, es gab keine Hierachie, viel mehr hatte es damit zu tun, dass mein Vorgänger, der das Referat drei Jahre leitete, bald aufhören wollte zu studieren.
Meine Wahl ins Gremium brachte auch für Loud Vorteile: An der Hochschule gibt es ein nicht allzu kleines Fest, ca. 2000 Besucher, und ich sagte ihm, durch meine Gremienarbeit könnte seine Band dort auftreten. Er freute sich sehr. Ein Auftritt, mal nicht in der Heimat und vor mehr als 500 Persönchen.
Anfang dieses Jahres begannen die Probleme. Ich erklärte meinem Referat, dass nur aus dem alten Hasen, einer mir nicht sehr wohlgesonnen Person und mir bestand, dass die Band dort haben wollte. Ich kannte sie, sie machen gute, qualitativ hochwertige Musik, haben was drauf. Ich war und bin von überzeugt, nur mein Referat war es nicht. Sie wollten keine Band unterstützen, die nur spielt, weil ich sie kenne. Sie fanden die Musik doof. Sie fanden eigentlich alles doof, was ich sagte.
So redete ich mich in den Wahnsinn. Über Monate hinweg. Loud sagte ich, ich schaffe das, ihr könnt dort spielen. Mehrmals wöchentlich redete ich auf mein Referat ein. Ich wollte diese Band! Sie wollten es nicht. Sprach ich mit dem Rest des Gremiums, hieß es: Klärt das unter euch. Danke.
Loud drängte immer mehr: Was wird denn nun? Ich musste ihm eingestehen, dass die beiden Herrschaften gegen die Band sind. Grundsätzlich, keine Widerrede. Er wurde wütend, dass ich mich nicht durchsetzte. Ich wäre doch die Leiterin, ich solle einfach einen Vertrag aufsetzen und schon wäre die Sache geritzt. Nur ich konnte nicht. Sollte ich mich über alle hinwegsetzen? Es hätte den Ausschluss aus dem Gremium bedeuten können. Das Risiko war mir zu hoch.
Woche für Woche wurde es schlimmer. Immer hieß es: Die Band wollen wir nicht! Loud sagte: Wir wollen da spielen! Innerlich war ich zerrissen, wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Selten fühlte ich mich so hilflos wie in diesem Moment. Ich hatte keine Lösung für das Problem.
Irgendwann wusste ich nicht mehr: Stelle ich mich wirklich so blöd an, das Loud immer genervter von mir wurde? Oder war die Situation einfach nur beschissen? Ich rief einen älteren Freund an. Er kennt uns beide. Und er beruhigte mich. Wenn alle gegen einen sind, kann man nicht einfach irgendwas durchsetzen. Loud hätte sich in dem Auftritt verrannt. Er war auch wie besessen. Er wollte dorthin! Dort! Und nur dort!
In ewigen Gesprächen gelang es mir, ihm klar zu machen, dass er leider dort nicht auftreten könne. Das die Leute ihn da nicht wollten. Aber noch immer hieß es: Du hast dich nicht durchgesetzt!
Später versuchte ich, bei anderen Festen anzuklingeln und sie dort unterzubringen. Viele kannte ich nicht, doch zwei waren es immerhin. Das eine war schon voll und das zweite, was ich ihm im wesentlichen schon zugesichert hatte, fand nicht statt. Und das, obwohl es ein Traditionsfest ist, und schon ca. 15 mal stattfand. Wieder war er enttäuscht von mir.
Über die Enttäuschung, dass ich ihm versprochen hatte, er kann dort auftreten und es dann nicht schaffte zu vermitteln, ist er nie hinweggekommen. Selbst nach dem Fest hieß es, ich kann mich nicht durchsetzen und ich sei unloyal. Zu einem Teil kann ich seine Wut verstehen, aber zum Teil auch nicht. Ich habe alles getan was ich konnte. Alles. Und dann mit Vorwürfen bestraft zu werden, ist nicht einfach. Zumal er seine ganze Wut und alle Schule bei mir parkte: Ich bin Schuld, dass sie nicht auftreten konnte. Ich, nur ich.
Bis heute ist dieser Riss nicht gekittet und dieses Ereignis wird mir immer hinterhergetragen. Immer.

Einen hoffentlich sonnigen Tag wünscht
Neon

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