Gegenwart: Chat & Treffen 24.09.2011

Draussen ist Herbst. Die Sonne scheint, ich will raus. Ganz dringend raus. Aber erst muss ich Schreiben, weil sonst mein Kopf platzt und mein Herz implodiert. Ich werde wahnsinnig.

Gestern Morgen dauerte es nicht lang und Loud schrieb mich wieder einmal an:
„keinen bock gehabt?“
„war zu müde, da ich den ganzen tag unterwegs war & heute hab ich viel vor. es war mir schlicht und ergreifend zu spät.“
„ok. etwas in die richtung dachte ich mir schon. ich war noch im f., weil ich vor lauter langer weile nicht wusste wohin“
In diesem Moment dachte ich: „Schön, dass ich immer dein Langeweile-Notnagel bin. Weil du dich selber nicht beschäftigen kannst.“. Auf diesen Satz antwortete ich nicht, so dass Loud weiter meckerte:
„es ist irgendwie nicht so schön, wieder hier zu sein“
„wieso?“
„so richtig kann ich es nicht beschreiben, es ist einfach sonderbar, wenn man nach hause kommt, sich aber irgendwie nicht zu hause fühlt. ich wüsste aber auch nicht wohin sonst.“
„variante a) weiterreisen und dich selber suchen. variante b) dich einfach mit den gegebenheiten abfinden“
Meine Antwort war vielleicht ein wenig schroff, aber was soll ich den  sagen? Was ist in solchen Momenten die ideale Antwort?
„ach neon, wenn es so einfach wäre. aber das ist nicht dein problem, also hör ich auf zu ningeln 🙂 wann geht bei dir das semester wieder los?“
„4.10.“
Wahrscheinlich schreibe ich ihm wirklich eine Postkarte mit dem Datum. Bevor er noch 12 mal nachfragt.
„warum hab ich dir da die karte nach e. geschickt?“
„weil ich mich am sonntag auf reisen begeben werde und am 4.10. nach e. eintreffen werde und tage später erst hier!“
„ah ok, doof“
„wieso?“
„das würde jetzt zu lange dauern“
„ich hab zeit“
„ich hätte halt gern noch etwas zeit mit dir verbracht“
„… okay. sry. sieht aber echt eher schlecht aus. hab nur noch kleine zeitfenster morgen abend zu vergeben“
„mehr zeit“
„da gibts nur oktoberwochenenden. oder ich kann schonmal die ferien ab anfang februar 2012 für dich reservieren. (;“
„das ist nett. is halt grad etwas doof. naja, dann sehen wir uns halt irgendwann im oktober, nehme ich an“
Als er dies schrieb, fragte ich mich, wieso dass denn jetzt doof ist. Ich kann es nicht im geringsten nachvollziehen und solche Dinge stören mich immens.
„ja, also ich bin halt 7.-9. wieder im lande, also nach plan. hab ja auch noch dein geburtstagsgeschenk.“
Nachdem ich erwähnte, dass ich sein Geschenk noch habe, freute er sich wie ein Kind. Er und Geschenke, dass ist eine eigene Welt!

Irgendwann verließ ich die Unterhaltung, da ich zu tun hatte. Am Abend stand ein Date an, und natürlich wollte ich bestmöglich aussehen. Am Nachmittag ging es noch Shoppen, später bereitete ich ein Picknick vor. Aufgeregt war ich, ohne Ende. Ich bin so schon öfter hibbelig, aber am gestrigen Tag war ich nicht mehr auszuhalten. Umso überraschter war ich, als ich eine gute Stunde vor dem Date eine SMS bekam: Der Herr musste noch einmal auf Arbeit, konnte an dem Abend doch nicht. Wut und Enttäuschungen kamen in mir hoch. Der Picknickkorb war vorbereitet und ich stand mit einer Haarkur auf dem Kopf vor dem Kleiderschrank. Na super! Was tun? In meiner Wut über die Situation tippte ich in Louds Chatfenster, der auch zufällig online war, „ich hab doch zeit“ ein, besann mich aber und dachte mir „nee, gehst lieber mit wem anders picknicken!“, wollte das geschriebene löschen und kam dabei auf die Enter-Taste. Klasse. Der Abend wurde immer besser. Loud schrieb gleich zurück, dass er Zeit hätte und wir gern was machen können. Ich erzählte ihm von meiner Misere und er war gern bereit die zurechtgemachten Schnittchen zu futtern.
Eine Stunde später trafen wir uns. Wir begrüßten uns, redeten, es war amüsant. Mitten auf einer riesigen Wiese ließen wir uns nieder und picknickten. Loud lobte mein gut vorbereitetes Picknick und meinte, ich könne ruhig öfter versetzt werden, es schmecke so gut. Vielen Dank! Als wir nach einer Stunde vollkommen eingefroren waren, machten wir uns zum nächsten McCafé auf, wo wir noch zwei Stunden verbrachten.
Am Abend setzte ich ihn bei sich zu Hause ab. Alles war recht entspannt, ruhig, friedlich. Der gesamte Abend war schön gewesen. Wir haben so viel gelacht und unglaublich viel Spaß gehabt.

Vor wenigen Minuten wurde ich wieder angeschrieben:
„das war gesterm schon ganz schön cool“
„das war ganz schön lustig!“
„ich will aber nich öfters versetzt werden.“
„ich versetz dich nich“

So amüsant auch alles ist, dennoch werde ich irre. Ich weiß nicht wie ich mit der Situation umgehen soll. Seine Worte zeigen mir, dass er mehr von mir will als eine Freundschaft, denn er will ja „mehr Zeit“ mit mir verbringen, was bloße Freunde in der Regel nicht von mir wollen. Spreche ihn allerdings auf dieses Thema an, bekomme ich nur dämliche Antworten, die mich kein Stück weiterbringen. Ich bin verunsichert, drehe mich im Kreis und weiß nicht wohin mit mir.
Ich mag ihn, ich mag die Freundschaft, aber dieses „drum herum“ verunsichert mich zutiefst. Manchmal frage ich mich, was ich denken soll, damit ich nichts falsches denke.
Keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Was ich machen soll. Was er von mir erwartet. Hilflos trifft es leider recht gut.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich die Situation zeitnah klärt und ich wenigstens einmal weiß, was denn nun Sache ist.

Einen sonnigen Samstag
Neon

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Gegenwart: Chat 22.09.2011

An sich arbeite ich gerade die Vergangenheit auf, komme leider aber weniger schnell voran, als mir lieb ist. Alles ist zäh und zäher, aber ich beiße mich durch.
Jetzt geschah aber wieder einmal unvorhergesehenes, was mich sofort wieder aufregt weshalb ich es mir von der Seele schreiben muss. Sonst richte ich bald in meiner näheren Umgebung Schaden an.
Alles begann heute morgen. Aus dem Nichts erhielt ich eine SMS von ihm. Ich solle ihm doch meine Adresse mitteilen. Wegen der Karte aus Frankreich, die er mir schicken will. Da ich nun doch öfters darauf hin gewiesen wurde, schickte ich ihm die Adresse. Ein paar Stunden später trudelte wieder eine SMS ein: Er würde gerade an meiner Studienstadt vorbeifahren. Ich las und dachte: „Aha. Schön.“. Eine Antwort konnte ich mir nicht verkneifen, und so schrieb ich, er solle die Wohnung lieb grüßen. Nach dieser Konversation kehrte Ruhe ein und ich war ganz zufrieden.
Diese angenehme Stille hielt sich nicht lang. Am Abend kam er bei Facebook online und mit schwante schon wieder schlimmstes. Natürlich hatte ich mit meiner Vorahnung recht. Es dauerte keine zwei Minuten, ploppte bei mir das Chatfenster auf:
„na“
„hai“
„ich hab als letzte aktion in frankreich karten abgeschickt ^^
bist du schon wieder in e.?“
„super! und: nö.“
„machst du heute abend was?“
„ney.“
„magst du noch was machen?“
Ich antwortete eine Weile nicht, da ich Essen gegangen war.
„ich bin mal weg hier. du kannst mir ja bei bedarf noch ne sms schreiben.“

Dinge, die ich heute Abend definitiv nicht machen werde: Ihm eine SMS schreiben.
Die ganze Geschichte regt mich wieder einmal maßlos auf. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, es war vor nicht einmal drei Wochen, als er mir dieses endlose Gespräch, auf das ich überhaupt keine Lust hatte, aufdrängte. An dessen Ende meinte er noch so ekelhaft großmütig: „Ich melde mich dann wenn ich wieder da bin!“ und ich spürte wie meine Stimme in Eis gehüllt sagte: „Kein Stress. Wenn Du kommst bin ich sowieso erstmal nicht da!“. Und jetzt das!
Loud befand sich ungefähr zwei bis drei Stunden wieder zu Hause, nach längerer Abwesenheit, und hat nichts besseres zu tun als mich zu fragen ob ich was mit im machen will?! Mein Gehirn bekommt langsam Dellen von dem ganzen dämlichen Gelaber!
Es ist mir auch ein Rätsel, wie man so stur alle Zeichen von Ablehnung ignorieren kann. Ich erzähle ihm nichts. Ich melde mich nie. Unsere Konversationen bleiben von meiner Seite aus immer äußerst distanziert und kühl. Aber er schreibt immer weiter, fragt immer weiter, nervt immer weiter. Und am Ende erzählt er mir etwas von Freundschaft, die ihm doch so wichtig ist. Wir waren nie so gut befreundet, dass ich die Erste bin, die er treffen will, wenn er wieder in der Heimat ist.
Gerade bezweifle ich, dass die ganze Sache für heute durchgestanden ist. Ich habe ein ungutes Gefühl, dass er mich wieder einmal mitten in der Nacht anrufen wird um zu fragen, ob ich schon schlafe.
Wenn er nicht bald merkt, dass er viele Grenzen nicht nur überschritten sondern mit wehenden Fahnen eingerissen hat, war es das gänzlich. Mit Loud an sich, der Person, verstehe ich mich glänzend. Auch jetzt noch. Aber mit seinem Verhalten in Beziehungs-Dingen komme ich einfach nicht klar.
Es wäre schade eine entwicklungsfähige Freundschaft zu beenden, nur tue ich lieber dies, als mein Seelenheil zu riskieren. Um es einmal mit Louds Worten zu sagen: „Ich bin kein Samariter, in den letzten Wochen ohne Dich ging es mir auch sehr gut.“. Doch, das trifft es sehr genau.

Eine gute Nacht
Neon

Gegenwart: Anruf 04.09.2011

Irgendwie war mir in meinem tiefen Inneren klar, dass er nicht einfach so wegfahren kann, so ganz ohne sich nochmal zu melden. Und leider trügte mein Gefühl nicht, denn ich sah einen verpassten Anruf am Sonntag Abend auf meinem Handy. Alleine bei dem Anblick seufzte ich, aber wie es die Höflichkeit will, rief ich zurück. Ging natürlich keiner heran, welch Wunder. Wenige Minuten später klingelte mein Telefon wieder und ich konnte endlich endlich diesen großartigen Anruf entgegen nehmen.

„Ja?!“
„Hey. Ich hab gerade nochmal in die Waschtasche geschaut. Da ist ja alles drin! Die Zahnbürste, die ich immer nutz! Und das Deo! Voll cool! Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, weil ich nix davon besorgt hatte und es ja morgen los gehen soll, aber jetzt hab ich ja schon alles! Und die Tasche ist auch groß genug, dass da noch mein Rasierer und das After Shave reinpasst! Dankeschön!“
„Na, ich kenn Dich ja nun doch ein Weilchen und da weiß ich ja, was Du nimmst und ich weiß ja auch, was Du brauchst.“

Loud konnte es absolut nicht fassen, dass ich so mitdenke und eben an alles das gedacht habe, was er wieder einmal vergessen hat. Meine Worte wiederholten sich in einem Fort: Ich kenne Dich und ich weiß was Du brauchst. Er kaute mir noch fünf Minuten ein Ohr ab, wie super das alles ist, bevor er zum leidigen Thema, seine Band, überging. Beim Treffen am Freitag bot er mir an, mir eine Karte zukommen zu lassen. Nun wiederholte er sich und erwähnte dabei, dass ich ihm meine Adresse noch sagen muss. Beiläufig erwähnte er, dass er 35 Leuten versprochen hat, eine Karte zu schicken. Dieses Gespräch wurde mir langsam wieder zu bunt und ich maulte nur, dass ich nicht unbedingt eine Karte bräuchte. Meine Worte verhallten, stattdessen sponn er immer weiter: Die Band könnte ja auf der Facebook-Seite einen Aufruf machen, und jeder, der will, bekommt eine Karte geschickt, mit allen Autogrammen. Loud erzählte mir voller Stolz diese Idee und ich schluckte mehrfach stark, damit ich nicht wieder böse Worte verliere.
Diese Band tritt seinem einem Jahr auf der Stelle. Kommt nicht voran, nicht einen Schritt. Aber mit jedem einzelnen Tag wird Loud arroganter und schnöseliger, was die Band betrifft. Diese Idee! Als wären sie so wichtig wie die Beatles, Jimi Hendrix und Neil Young zusammen! Um meinen Groll zu versteckten, würgte ich langsam das Telefonat ab.
Loud meinte noch: „Ich melde mich dann in drei Wochen, wenn ich wieder da bin.“. Wieder klang dieser süffisante Ton mit und meine kalte Antwort ließ nicht auf sich warten: „Wenn Du wieder kommst, bin ich ja erstmal weg. Da brauchst Dich nicht unbedingt melden, keinen Stress.“

Jetzt ist Ruhe, einfach Ruhe. Keine „Magst Du mich sehen?“-SMS, keine „Mir ist so langweilig“-Anrufe, einfach Ruhe. So unglaublich entspannend.

Diese sieben Minuten Gespräch haben mir wieder einmal eines deutlich gezeigt: An sich ein netter Typ, aber durch die Band unausstehlich. Absolut ätzend.

Einen schönen Abend
Neon

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